Ausschnitt aus dem 70 Meter langen und 50 cm hohen Teppich von Bayeux
Während vieler Jahrhunderte wurden die Wikin-
ger für ein Volk von grausamen und blut
rünsti-
gen Meuchelmördern gehalten, deren einziges
Ziel die Plünderung eines friedlichen christli-
chen Europas, und deren einziges Vergnügen,
Vergewaltigung und Mord war.
Von den Mönchen des Mittelalters wurden die
Wikinger als heidnische Teufel und Verkörpe-
rung des Antichristen geschildert, als Men-
schen ohne Religion und Moral, die so grau-
sam starben, wie sie gelebt hatten. So etwa
sah das Bild des Wikingers aus. Die Forschung
hat jedoch enthüllt, daß sie nicht nur Krieger,
sondern auch hervorragende Seefahrer, Ent-
decker, Händler, Handwerker, Siedler, Dichter
und erfindungsreiche Künstler waren. Im Fran-
kenreich nannte man sie Normanni - Nordmän-
ner. Die Iren gaben ihnen den Namen Loch-
lannaigh, was ebenfalls Nordleute bedeutet.
Beim Geschichtsschreiber Adam von Bremen
tauchen sie unter der Bezeichnung Ascoman-
ni, Eschenmänner auf. Die Araber beschimpf-
ten die nordischen Seekrieger als Madjus,
heidnische Unholde und von den Slawen be-
kamen sie schließlich nach dem schwedi-
schen Lehnwort Ruotsi den Namen Rus, was
soviel wie Ruderkerle bedeutet. Aus ihm ent-
stand nach der wikingschen Gründung Kiews
der Name für das gesamte russische Reich.
Über die Prägung des Wortes Wikinger gibt es
viele Theorien, jedoch bis heute keinen
belegbaren Beweis. Auch wenn die Wikinger
allgemein eher für Raub und Zerstörung be-
kannt sind, siedelten und handelten sie auch
ebenso friedlich und besaßen eine hohe Kultur.
Die Wikingerzeit bezeichnet den jüngsten Teil
der skandinavischen Eisenzeit, sie endet mit
der Eroberung Englands durch Wilhelm und der
etwa gleichzeitigen Christianisierung der letzten
Nordgermanen.
Eine Neigung der Wikinger zu einer Staaten-
bildung zeigt sich am Handel, der in dieser Zeit
über Handelshäfen wie Birka, Kaupang, Ribe,
Ralswiek, Seeburg oder Sigtuna im nördlichen
Europa abgewickelt wurde, die auch zum kul-
turellen Austausch zwischen Skandinaviern,
Slawen, Sachsen, Balten und Franken beitru-
gen. Nach der Zerstörung von Reric (808) war
Haithabu (nahe Schleswig) einer der Hauptum-
schlagsplätze, bis es schließlich 1055 in einer
Schlacht zwischen Harald Hardraada und Sven
Estridsson zerstört und 1066 von Westslawen
endgültig dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Ein Zentrum für den Handel mit dem Baltikum
und Osteuropa war Visby auf der schwedi-
schen Insel Gotland.
Ein dem Gjermundbufund nachempfundener
Helm mit gegossenen Bronzebeschlägen.
Das abgebildete Schwert ist ein Replikat des
Fundes aus Sigtuna in Schweden, hergestellt
von Matthias Barkmann.
Die Interessengemeinschaft Midgard-Sippe repräsentiert im Rahmen der experimentellen Archä-
ologie diese interessante Kultur. Angefangen beim authentischen Lagerleben kann der Besucher
sich auf historischen Veranstaltungen über die Lebensweise und Gewohnheiten zur damaligen
Zeit informieren und vieles über die Waffenkünste wie den Gebrauch von Speer, Schwert, Bogen
und Axt erfahren oder Zeuge eines Schwertkampfes werden. Aber auch die friedliche Seite dieser
Kultur kommt dabei nicht zu kurz. Der Schwerpunkt der Midgard-Sippe liegt in der Vorführung
alter Handwerkskünste.
Mitglieder und ihre Darstellung
Geschichte und reenactment